Bevor Sie in eine Solaranlage investieren, sollten Sie wissen, ob Ihr Standort überhaupt geeignet ist und welches Potenzial auf Ihrem Dach liegt. Genau das leistet eine Machbarkeitsstudie. Sie ist der fundierte erste Schritt auf dem Weg zur eigenen Photovoltaikanlage und bildet die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. In diesem Artikel erklären wir detailliert, was eine Machbarkeitsstudie beinhaltet, wie sie abläuft und warum sie auch dann sinnvoll ist, wenn Sie bereits erste Offerten eingeholt haben.
Was ist eine Solar-Machbarkeitsstudie?
Eine Solar-Machbarkeitsstudie ist eine systematische Analyse aller relevanten Faktoren, die die Eignung eines Standorts für eine Photovoltaikanlage bestimmen. Sie beantwortet die grundlegende Frage: Ist eine Solaranlage an diesem Standort technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll?
Im Gegensatz zu einer einfachen Ersteinschätzung oder einem Online-Solarrechner geht eine professionelle Machbarkeitsstudie deutlich tiefer. Sie berücksichtigt alle standortspezifischen Gegebenheiten, analysiert das Verschattungsprofil im Jahresverlauf, prüft die baulichen Voraussetzungen und liefert eine realistische Ertragsprognose.
Die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie geben Ihnen die Sicherheit, die richtige Entscheidung zu treffen. Sie wissen, ob sich eine Solaranlage an Ihrem Standort lohnt, welche Anlagengrösse optimal ist und mit welchen Kosten und Erträgen Sie rechnen können.
Inhalte einer professionellen Machbarkeitsstudie
Dachflächenanalyse
Der erste und offensichtlichste Analysepunkt ist die verfügbare Dachfläche. Dabei werden nicht nur die Bruttofläche, sondern auch die tatsächlich nutzbare Fläche nach Abzug von Hindernissen ermittelt. Dachfenster, Kamine, Lüftungsaufsätze, Antennen und bauliche Aufbauten reduzieren die verfügbare Fläche. Auch die vorgeschriebenen Randabstände und Wartungszonen müssen berücksichtigt werden.
Die Dachausrichtung ist ein entscheidender Faktor für den Ertrag einer Solaranlage. Südlich ausgerichtete Dächer erzielen den höchsten Ertrag, aber auch Ost-West-Ausrichtungen sind attraktiv, da sie eine gleichmässigere Stromproduktion über den Tag ermöglichen und oft einen höheren Eigenverbrauch erlauben.
Die Dachneigung beeinflusst ebenfalls den Ertrag. In der Schweiz liegt die optimale Neigung je nach Region zwischen 30 und 35 Grad. Flachdächer bieten den Vorteil, dass die Module in der optimalen Neigung aufgeständert werden können, wobei dann aber die Abstände zwischen den Modulreihen zu berücksichtigen sind.
Verschattungsanalyse
Die Verschattungsanalyse ist einer der kritischsten Bestandteile der Machbarkeitsstudie. Verschattungen durch Bäume, Nachbargebäude, Geländeformen oder Antennen können den Ertrag einer Solaranlage erheblich reduzieren. Dabei reicht es nicht, nur die aktuelle Situation zu betrachten – die Verschattung ändert sich im Jahres- und Tagesverlauf erheblich.
Professionelle Berater erstellen ein Verschattungsprofil, das die Sonnenbahn zu verschiedenen Jahreszeiten simuliert und den Einfluss von Hindernissen präzise berechnet. Moderne 3D-Simulationstools ermöglichen eine genaue Vorhersage der Ertragseinbussen durch Verschattung und helfen bei der optimalen Platzierung der Module.
Besonders wichtig ist die Analyse für Standorte in Hanglagen, in der Nähe von hohen Bäumen oder in dicht bebauten Gebieten. Hier kann die Verschattung den Ertrag um 10 bis 30 Prozent reduzieren, wenn die Anlage nicht optimal geplant wird.
Statische Beurteilung
Die statische Eignung des Dachs ist eine Grundvoraussetzung für die Installation einer Solaranlage. Eine typische Aufdachanlage wiegt zwischen 12 und 18 Kilogramm pro Quadratmeter. Dazu kommen die Windlasten, die je nach Standort und Gebäudehöhe erheblich sein können.
Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wird beurteilt, ob die vorhandene Dachkonstruktion diese zusätzlichen Lasten tragen kann. Bei älteren Gebäuden oder Dachkonstruktionen in leichter Bauweise kann eine detaillierte statische Berechnung durch einen Bauingenieur erforderlich sein.
Netzanschluss und elektrische Infrastruktur
Die bestehende elektrische Infrastruktur spielt eine wichtige Rolle bei der Planung einer Solaranlage. Der Netzanschluss muss die geplante Einspeiseleistung aufnehmen können, und der Hausanschluss muss den Anforderungen des Energieversorgers entsprechen.
In der Machbarkeitsstudie wird geprüft, ob der bestehende Netzanschluss für die geplante Anlage ausreicht oder ob ein Upgrade erforderlich ist. Auch die Platzierung des Wechselrichters, die Kabelwege und der Anschluss an den Hausverteiler werden betrachtet.
Potenzialabschätzung und erste Ertragsprognose
Auf Basis aller gesammelten Daten wird eine erste Ertragsprognose erstellt. Diese gibt Ihnen eine realistische Einschätzung, wie viel Strom Ihre Anlage pro Jahr produzieren könnte. Die Prognose basiert auf langjährigen Wetterdaten, der spezifischen Dachsituation und typischen Systemverlusten.
Ein Einfamilienhaus in der Schweiz mit einer Anlage von 10 kWp (ca. 50 Quadratmeter Dachfläche) kann je nach Standort und Ausrichtung mit einem Jahresertrag von 9'000 bis 12'000 kWh rechnen. Die Machbarkeitsstudie liefert eine deutlich präzisere Zahl für Ihren spezifischen Standort.
Kosten und Wirtschaftlichkeit der Machbarkeitsstudie
Eine professionelle Machbarkeitsstudie für ein Einfamilienhaus kostet typischerweise zwischen CHF 500 und CHF 1'500. Für grössere Objekte wie Mehrfamilienhäuser oder Gewerbegebäude liegen die Kosten bei CHF 1'500 bis CHF 4'000.
Diese Investition mag auf den ersten Blick hoch erscheinen, relativiert sich aber schnell, wenn man die Gesamtinvestition betrachtet. Eine Machbarkeitsstudie für CHF 1'000 bei einer Anlageinvestition von CHF 25'000 entspricht gerade einmal vier Prozent der Gesamtkosten. Die durch eine fundierte Analyse gewonnenen Erkenntnisse können jedoch zu erheblichen Einsparungen bei der späteren Anlagenumsetzung führen.
Machbarkeitsstudie vs. Online-Solarrechner
Online-Solarrechner wie der Schweizer Solardachrechner von Sonnendach.ch bieten eine nützliche erste Orientierung. Sie können in wenigen Minuten eine grobe Einschätzung des Solarpotenzials liefern. Allerdings haben sie deutliche Grenzen, die eine professionelle Machbarkeitsstudie nicht ersetzen können.
Online-Tools verwenden in der Regel generalisierte Daten und können individuelle Verschattungen, bauliche Besonderheiten oder spezifische Verbrauchsmuster nicht berücksichtigen. Sie liefern keine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung und können keine Empfehlungen für spezifische Komponenten oder Systemkonfigurationen geben.
Eine professionelle Machbarkeitsstudie hingegen berücksichtigt alle individuellen Faktoren und liefert präzise, auf Ihren Standort zugeschnittene Ergebnisse. Sie ist damit die einzig zuverlässige Grundlage für eine fundierte Investitionsentscheidung.
Wann ist eine Machbarkeitsstudie besonders empfehlenswert?
Eine Machbarkeitsstudie ist grundsätzlich für jedes Solarprojekt empfehlenswert. Besonders wertvoll ist sie in folgenden Situationen:
- Bei komplexen Dachgeometrien mit mehreren Flächen und unterschiedlichen Ausrichtungen
- Bei potenziellen Verschattungsproblemen durch Bäume, Nachbargebäude oder Gelände
- Bei älteren Gebäuden, bei denen die statische Eignung unklar ist
- Wenn Sie die Integration von Batteriespeicher, Wärmepumpe oder Ladestation planen
- Bei denkmalgeschützten Gebäuden oder Gebäuden in Schutzgebieten
- Bei Mehrfamilienhäusern mit Eigenverbrauchsgemeinschaft
- Wenn Sie eine objektive Grundlage für Ihre Investitionsentscheidung wollen
Der Ablauf in der Praxis
In der Praxis läuft eine Machbarkeitsstudie typischerweise in folgenden Schritten ab: Zunächst erfolgt ein Erstgespräch, in dem Ihre Ziele und die Rahmenbedingungen besprochen werden. Dann sammelt der Berater alle relevanten Daten – teils aus öffentlichen Quellen wie GIS-Daten, teils durch einen Vor-Ort-Termin.
Anschliessend erfolgt die Analyse im Büro: Verschattungssimulation, Potenzialberechnung, erste Wirtschaftlichkeitsabschätzung. Die Ergebnisse werden in einem verständlichen Bericht zusammengefasst und in einem Präsentationsgespräch vorgestellt. Dabei werden auch Ihre Fragen beantwortet und die nächsten Schritte besprochen.
Der gesamte Prozess dauert in der Regel eine bis drei Wochen, abhängig von der Komplexität des Projekts und der Verfügbarkeit aller notwendigen Unterlagen.
Fazit: Die Machbarkeitsstudie als Fundament
Eine Machbarkeitsstudie ist das Fundament eines erfolgreichen Solarprojekts. Sie gibt Ihnen die Sicherheit, auf Basis fundierter Daten zu entscheiden, und schützt Sie vor teuren Fehlplanungen. Die Investition in eine professionelle Studie ist gemessen an der Gesamtinvestition gering, ihr Nutzen aber gross. Wer seine Solaranlage auf einem soliden Fundament aufbauen will, beginnt mit einer Machbarkeitsstudie.
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