Von der ersten Überlegung bis zur fertigen Solaranlage auf dem Dach vergehen in der Schweiz typischerweise drei bis neun Monate. Der genaue Zeitrahmen hängt von der Komplexität des Projekts, der Verfügbarkeit der Installateure und den behördlichen Anforderungen ab. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen den realistischen Zeitplan für ein Solarprojekt und geben Tipps, wie Sie Verzögerungen vermeiden können.
Phase 1: Informationssammlung und Erstberatung (Woche 1-2)
Der erste Schritt ist die Informationssammlung. Sie informieren sich über die Möglichkeiten, holen erste Einschätzungen ein und entscheiden, ob Sie eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen möchten. Ein kostenloses Erstgespräch mit einem unabhängigen Berater gibt Ihnen eine erste Orientierung und hilft, den Umfang des Projekts abzuschätzen.
In dieser Phase sollten Sie auch Ihren Stromverbrauch zusammentragen. Idealerweise besorgen Sie sich die Verbrauchsdaten der letzten zwei bis drei Jahre von Ihrem Energieversorger. Viertelstundenwerte sind besonders wertvoll, da sie eine präzise Analyse Ihres Lastprofils ermöglichen. Auch Pläne und Fotos Ihrer Liegenschaft sollten Sie bereithalten.
Phase 2: Machbarkeitsstudie und Konzeptentwicklung (Woche 2-5)
Wenn Sie sich für eine professionelle Beratung entschieden haben, folgt die Machbarkeitsstudie. Der Berater analysiert Ihren Standort, prüft die Dacheignung, erstellt eine Verschattungssimulation und berechnet das Ertragspotenzial. Auf Basis dieser Analyse wird ein massgeschneidertes Anlagenkonzept entwickelt.
Die Konzeptentwicklung umfasst die Dimensionierung der Anlage, die Wahl der Modultechnologie, das Wechselrichterkonzept und gegebenenfalls die Integration von Batteriespeicher oder Wärmepumpe. Diese Phase dauert typischerweise zwei bis drei Wochen und schliesst mit einem Beratungsbericht ab, der alle Ergebnisse zusammenfasst.
Phase 3: Offertphase und Vertragsabschluss (Woche 5-9)
Auf Basis des erarbeiteten Konzepts wird eine Ausschreibung erstellt und an qualifizierte Installateure versandt. Die Installateure benötigen in der Regel zwei bis drei Wochen für die Erstellung ihrer Offerten. Dann folgen der Offertvergleich, eventuelle Rückfragen und Verhandlungen.
Der gesamte Offertprozess inklusive Vertragsabschluss dauert typischerweise vier bis sechs Wochen. Wenn Sie ohne Berater arbeiten, sollten Sie mindestens drei Offerten einholen und sich genügend Zeit für den Vergleich nehmen. Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen – ein guter Installateur räumt Ihnen ausreichend Bedenkzeit ein.
Phase 4: Meldung und Bewilligung (Woche 6-12)
In der Schweiz müssen Solaranlagen je nach Kanton und Grösse gemeldet oder bewilligt werden. Für die meisten Aufdachanlagen auf Einfamilienhäusern genügt eine einfache Meldung bei der Gemeinde, die in der Regel innerhalb weniger Wochen bestätigt wird.
Parallel zur behördlichen Meldung muss die Anlage beim lokalen Energieversorger angemeldet werden. Der Netzbetreiber prüft, ob der Netzanschluss die zusätzliche Einspeiseleistung aufnehmen kann, und erteilt die Netzanschlussbewilligung. Dieser Prozess dauert je nach Energieversorger zwei bis sechs Wochen.
Bei denkmalgeschützten Gebäuden, Gebäuden in Schutzgebieten oder besonders grossen Anlagen kann ein vollständiges Baubewilligungsverfahren erforderlich sein, das mehrere Monate dauern kann. Ihr Berater oder Installateur kann Sie über die spezifischen Anforderungen in Ihrer Gemeinde informieren.
Phase 5: Material und Logistik (Woche 10-14)
Nach Vertragsabschluss und Bewilligung bestellt der Installateur die Komponenten. Die Lieferzeiten variieren je nach Hersteller und Marktlage. In normalen Zeiten sind Solarmodule und Wechselrichter innerhalb von zwei bis vier Wochen verfügbar. Bei hoher Nachfrage oder Lieferengpässen können die Lieferzeiten aber auch länger sein.
Besonders bei speziellen Modellen oder Nischenprodukten sollten Sie mit längeren Lieferzeiten rechnen. Ein erfahrener Installateur hat die Liefersituation im Blick und informiert Sie frühzeitig über mögliche Verzögerungen.
Phase 6: Installation (Woche 14-16)
Die eigentliche Installation einer Einfamilienhaus-Anlage dauert typischerweise zwei bis fünf Arbeitstage. Bei grösseren Anlagen auf Mehrfamilienhäusern oder Gewerbegebäuden kann die Installation ein bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Während der Installation ist das Haus normal bewohnbar, allerdings kann es zeitweise zu Lärm und Einschränkungen kommen.
Die Installation umfasst die Montage des Befestigungssystems, die Verlegung und Verkabelung der Module, die Installation des Wechselrichters und gegebenenfalls des Batteriespeichers, den Anschluss an den Hausverteiler und die Installation des Zählers. Eine professionelle Baubegleitung durch Ihren Berater stellt sicher, dass alles fachgerecht ausgeführt wird.
Phase 7: Inbetriebnahme und Abnahme (Woche 16-18)
Nach der Installation folgen die Inbetriebnahme und die Abnahme der Anlage. Der Installateur führt Funktionstests durch, misst die Leistung und dokumentiert die Ergebnisse. Eine Sicherheitsprüfung nach der Niederspannungs-Installationsnorm (NIV) ist in der Schweiz vorgeschrieben und muss durch einen konzessionierten Elektroinstallateur durchgeführt werden.
Bei der Abnahme sollten Sie auf die vollständige Dokumentation achten: Anlagenpläne, Datenblätter, Garantiedokumente, Sicherheitsprüfprotokoll, Bedienungsanleitung für das Monitoring-System und eine Erklärung über die normengerechte Ausführung.
Phase 8: Förderung und steuerliche Behandlung (Woche 18-24)
Nach der Inbetriebnahme kann die Einmalvergütung (EIV) beim Bund beantragt werden. Der Antrag wird über das Online-Portal von Pronovo eingereicht. Die Bearbeitung dauert typischerweise mehrere Monate, in Spitzenzeiten auch länger. Die Auszahlung erfolgt nach positiver Prüfung direkt auf Ihr Konto.
Zusätzliche kantonale und kommunale Förderbeiträge müssen je nach Programm vor oder nach der Installation beantragt werden. Informieren Sie sich frühzeitig über die spezifischen Anforderungen und Fristen in Ihrem Kanton und Ihrer Gemeinde.
Die steuerliche Abzugsfähigkeit der Investition als werterhaltende Massnahme machen Sie in der nächsten Steuererklärung geltend. Bei hohen Investitionen kann eine Aufteilung auf zwei Steuerperioden sinnvoll sein – sprechen Sie dazu mit Ihrem Steuerberater.
Tipps zur Vermeidung von Verzögerungen
Die häufigsten Ursachen für Verzögerungen sind lange Wartezeiten bei Installateuren in der Hochsaison, fehlende oder unvollständige Unterlagen für die Baumeldung, Lieferengpässe bei bestimmten Komponenten und verzögerte Netzanschlussbewilligungen. Sie können Verzögerungen minimieren, indem Sie den Prozess frühzeitig starten, idealerweise im Herbst oder Winter für eine Installation im Frühling oder Sommer.
Stellen Sie alle erforderlichen Unterlagen möglichst früh zusammen und reagieren Sie schnell auf Rückfragen von Behörden oder Installateuren. Ein erfahrener Berater kann den Prozess straffen und typische Stolpersteine vermeiden.
Fazit: Planen Sie genügend Vorlaufzeit ein
Ein realistischer Zeitplan für ein Solarprojekt umfasst drei bis sechs Monate von der ersten Beratung bis zur Inbetriebnahme. Bei komplexeren Projekten oder in der Hochsaison kann es auch länger dauern. Planen Sie genügend Vorlaufzeit ein und beginnen Sie frühzeitig mit der Planung. Je besser vorbereitet Sie in den Prozess starten, desto reibungsloser und schneller verläuft er.
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Je früher Sie beginnen, desto schneller haben Sie Ihre Solaranlage auf dem Dach.
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