Die ersten Solaranlagen in der Schweiz wurden vor über 20 Jahren installiert. Viele dieser Pionieranlagen produzieren noch immer Strom, allerdings mit deutlich weniger Leistung als moderne Anlagen. Gleichzeitig sind die Kosten für neue Module und Wechselrichter stark gesunken, während die Leistung pro Quadratmeter erheblich gestiegen ist. Stellt sich die Frage: Wann lohnt es sich, eine bestehende Anlage zu modernisieren – und was ist dabei zu beachten?
Was bedeutet Repowering?
Repowering bezeichnet die umfassende Modernisierung einer bestehenden Solaranlage. Das kann verschiedene Massnahmen umfassen: den Austausch der Module gegen leistungsstärkere Modelle, den Ersatz des Wechselrichters, die Erweiterung der Anlage um zusätzliche Module oder die Ergänzung um einen Batteriespeicher. Im Unterschied zu einer Reparatur oder Wartung geht es beim Repowering um eine grundlegende Leistungssteigerung.
Die Gründe für ein Repowering können vielfältig sein: Leistungsverlust durch Degradation, defekte Wechselrichter, überholte Technologie, veränderte Verbrauchsmuster oder der Wunsch nach einer Systemerweiterung. In jedem Fall muss sorgfältig geprüft werden, ob das Repowering wirtschaftlich sinnvoll ist.
Wann ist ein Repowering sinnvoll?
Technische Indikatoren
Ein Repowering sollte in Betracht gezogen werden, wenn die Anlage deutlich weniger Strom produziert als prognostiziert, der Wechselrichter das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat (typischerweise nach 12 bis 15 Jahren), Module sichtbare Schäden aufweisen oder die Anlage technisch veraltet ist und moderne Funktionen wie Monitoring oder Eigenverbrauchsoptimierung nicht unterstützt.
Der Wechselrichteraustausch ist häufig der Auslöser für ein Repowering. Wenn der Wechselrichter ohnehin ersetzt werden muss, ist es sinnvoll, gleichzeitig zu prüfen, ob auch ein Modulaustausch oder eine Anlagenerweiterung wirtschaftlich vorteilhaft wäre.
Wirtschaftliche Indikatoren
Wirtschaftlich ist ein Repowering dann sinnvoll, wenn der Mehrertrag durch die Modernisierung die Investitionskosten über die verbleibende Nutzungsdauer amortisiert. Dabei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: die Kosten der neuen Komponenten, die Ersparnisse durch höheren Ertrag und Eigenverbrauch, die verbleibende Lebensdauer des Montagesystems und eventuelle Förderbeiträge für die Erweiterung.
Moderne Module produzieren pro Quadratmeter Fläche deutlich mehr Strom als Module von vor 15 oder 20 Jahren. Wenn auf der gleichen Fläche 30 bis 50 Prozent mehr Strom erzeugt werden kann, rechnet sich der Modulaustausch oft auch dann, wenn die alten Module noch funktionieren.
Optionen beim Repowering
Nur Wechselrichtertausch
Die einfachste und kostengünstigste Variante ist der reine Wechselrichtertausch. Der alte Wechselrichter wird durch ein modernes Gerät ersetzt, das einen höheren Wirkungsgrad hat und zusätzliche Funktionen wie Monitoring und Smart-Home-Integration bietet. Die bestehenden Module bleiben erhalten.
Modulaustausch
Beim Modulaustausch werden die alten Module durch moderne, leistungsstärkere Modelle ersetzt. Das bestehende Montagesystem wird nach Möglichkeit weiterverwendet. Allerdings haben sich die Modulabmessungen über die Jahre verändert, sodass nicht immer eine 1:1-Kompatibilität gegeben ist. In vielen Fällen muss auch das Montagesystem angepasst werden.
Komplett-Repowering
Beim Komplett-Repowering werden alle Komponenten – Module, Wechselrichter, Montagesystem und Verkabelung – ausgetauscht. Dies ist die umfassendste und teuerste Variante, bietet aber auch das grösste Potenzial für Leistungssteigerung. Ein Komplett-Repowering ist insbesondere dann sinnvoll, wenn auch das Montagesystem Verschleisserscheinungen zeigt oder wenn die Dacheindeckung ohnehin erneuert werden muss.
Erweiterung und Ergänzung
Häufig wird ein Repowering mit einer Erweiterung der Anlage kombiniert. Zusätzliche Module auf bisher ungenutzten Dachflächen, die Ergänzung um einen Batteriespeicher oder die Integration einer Ladestation für Elektrofahrzeuge sind typische Erweiterungen, die im Zuge eines Repowerings realisiert werden.
Wirtschaftlichkeit des Repowerings berechnen
Die Wirtschaftlichkeitsberechnung eines Repowerings ist komplexer als bei einer Neuanlage, da sie die Restlebensdauer der bestehenden Komponenten, den Mehrertrag durch die Modernisierung und die Investitionskosten unter Berücksichtigung der wiederverwendbaren Teile berücksichtigen muss.
Ein unabhängiger Berater kann die verschiedenen Optionen durchrechnen und die wirtschaftlich optimale Lösung empfehlen. Manchmal zeigt sich, dass ein gezielter Teilaustausch wirtschaftlicher ist als ein Komplett-Repowering, während in anderen Fällen die vollständige Erneuerung die beste Option darstellt.
Entsorgung alter Komponenten
Beim Repowering fallen alte Module, Wechselrichter und gegebenenfalls Montagesysteme an, die fachgerecht entsorgt werden müssen. In der Schweiz ist das Recycling von Solarmodulen über die vorgezogene Recyclinggebrühr (vRG) bereits beim Kauf finanziert. Die Rücknahme und Entsorgung alter Module ist somit kostenlos und kann über den Installateur oder den Hersteller organisiert werden.
Fazit: Individuelle Analyse entscheidet
Ob sich ein Repowering lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt von vielen Faktoren ab: dem Alter und Zustand der bestehenden Anlage, den aktuellen Strompreisen, den verfügbaren Fördermitteln und den individuellen Verbrauchsverhaeltnissen. Eine professionelle Analyse durch einen unabhängigen Berater gibt Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage und zeigt Ihnen den wirtschaftlich optimalen Weg.
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